Sarah-Mai Dang

Kategorie: Publizieren (Seite 2 von 2)

DH Cinema Projects

„Digital Humanities“ ist ein schillernder Begriff und derzeit in aller Munde. Darunter fallen computergestütze Verfahren zur Aufarbeitung und Archivierung von Datensätzen oder zur Präsentation von Forschungsergebnissen ebenso wie die Analyse von digitalen Vorgängen und Objekten. Digital Humanities steht für neue Methoden und Theorien in den Geisteswissenschaften, wenn nicht gar für ein neues Fach, das sich auf Ansätze aus den Software Studies und den Science and Technology Studies stützt.

Wie Digital Humanities-Projekte in den Medienwissenschaften aussehen, haben Marina Hassapopoulou (NYU) und Anne Amanda Moore (Columbia) einer Liste zusammengetragen.

DH Cinema Projects

Die Liste ist Teil des übergeordneten Projektes Transformations I. Cinema & Media Studies Research Meets Digital Humanitites Tools, das sich mit der Frage auseinandersetzt, inwiefern Film- und Medienwissenschaften, die sich per se für neue Technologien (wie damals zum Beispiel dem Kino) interessieren, bereits vor der Entstehung des Begriffs genau das getan haben, was heute Digital Humanities heißt.

Verfügbarkeit vs. Zugänglichkeit vs. Auffindbarkeit

Einen Text online und kostenlos zur Verfügung zu stellen, bedeutet nicht unbedingt, ihn auch zugänglich zu machen. Eine Zugangsbarriere kann der spezifische Sprachgebrauch einer Disziplin sein, eine andere die mangelnde Auffindbarkeit. Texte zu schreiben, erfordert viel Zeit und Energie, sie zu publizieren und zugänglich zu machen, noch viel mehr…

Eine Zusammenfassung von Charlie Rapple,  Co-Founder von Kudos, in Research Information.

Warum ich mich gegen das eBook entschieden habe

Es gibt gute Gründe, eine Dissertation als eBook zu produzieren. eBooks sind gut durchsuchbar, leicht zu archivieren und mobil nutzbar.

Etwa ein Drittel der LeserInnen in Deutschland nutzen mittlerweile auch eBooks. Digitale Bücher machen rund 5% des Umsatzes im Buchhandel aus. Mit Verweis auf die Entwicklung der Bezahlkultur im Internet sagen digitale Optimisten dem eBook ein Marktvolumen von 15-20% in einigen Jahren voraus. Bisher werden mit eBooks allerdings kaum Gewinne erzielt. Digitalverlage verdienen ihr Geld vor allem mit den Druckversionen, die sie zusätzlich zum eBook anbieten. Laut Branchenreport „Verlegen von Büchern“ des Deutsche Sparkassen- und Giroverbands bevorzugen noch rund drei Viertel der LeserInnen in Deutschland insbesondere längere Texte in gedruckter Form. (DSGV, 3/2015)

Die Verkaufsstatistiken waren allerdings nicht der Grund, warum ich mich dagegen entschieden habe, meine Dissertation als eBook zu veröffentlichen. Ausschlaggebend war die mangelnde Kompatibilität. In der Annahme, dass die technologischen Möglichkeiten grenzenlos und die Einbettung von Videos und Bildern bei einem eBook kein Problem sein dürften, sollte meine Arbeit in den gängigen eBook-Formaten mobi (für Kindle) und ePUB (für andere Lesegeräte) veröffentlicht werden. Auf keinen Fall wollte ich einfach ein PDF online stellen, wie es traditionelle Verlage, die sich im digitalen Publizieren versuchen, üblicherweise praktizieren. Neben der Printversion bieten Verlage inzwischen oftmals noch ein PDF als „eBook“ an und verlangen dafür denselben Preis, obwohl das PDF ohnehin als Druckvorlage für das papierne Buch erstellt werden musste. Doch meine Arbeit sollte nicht als quasi-Buch, als statisches Abbild eines Buches erscheinen. Wennschon digital, dann richtig. Die Dissertation sollte in einem responsiven Format, das sich dem jeweiligen Lesegerät anpasst, erscheinen, multimedial und individuell anpassbar. Ich wollte das Potential digitaler Technologien vollkommen ausnutzen.

Doch auf der Electric Book Fair 2015 und in Gesprächen mit Fachleuten wurde ich mit den widrigen Bedingungen der eBook-Produktionen konfrontiert. Die Produktion eines eBooks ist nämlich extrem aufwendig, da alle Formatierungen (Überschriften, Absätze, Textbild etc.) definiert und programmiert werden müssen. Das Verfahren ist mindestens ebenso aufwendig wie die Formatierung von Texten in WORD (#*;;°x@=§!). An WORD muss man sich im Laufe des akademischen Lebens allerdings zwangsläufig gewöhnen, da man als GeisteswissenschaftlerIn leider so gut wie nie die Vorzüge von LaTeX erfährt. Doch selbst wenn man es auf sich nehmen würde, Texte in ePUB zu programmieren bzw. ExpertInnen damit beauftragte, gibt es gute Gründe, sich gegen das eBook zu entscheiden. Das eigentliche Problem ist nämlich die fehlende Standardisierung. So hat man sich unter eBook-ProduzentInnen noch nicht verständigen können, wie digitale Bücher programmiert werden sollen, sodass sie auf jedem Lesegerät funktionieren. Zwar erlaubt ePUB alle möglichen Gestaltungsweisen, doch funktionieren die dann aufwendig produzierten Multimediapublikationen nicht auf allen Lesegeräten. Je nachdem ob es sich um ein Kindle, ein Tolino oder ein Smartphone handelt, lässt sich ein Filmausschnitt mehr oder weniger gut oder gar nicht abspielen. Technisch ist es also kein Problem, schöne eBooks zu gestalten, doch mangelt es an einer kompatiblen Programmierung. Dies treibt auch eBook-ProduzentInnen in den Wahnsinn, wenn es sie nicht gar zu KontrahentInnen digitaler Bücher werden lässt.

Um trotzdem auf die zunehmende Mobilität von WissenschaftlerInnen zu antworten und eine zeitgemäße Präsentation einer Arbeit, die sich auf Filmanalysen stützt, zu ermöglichen, habe ich meine Dissertation nun als Website veröffentlicht. Eine Website erfordert zwar einen Online-Zugang, doch WLAN gibt es inzwischen fast überall. Ob eine solche Veröffentlichung weniger aufwendig zu produzieren ist als ein eBook, bleibt allerdings zu bezweifeln. Dafür kann eine Website auf vielen verschiedenen Geräten rezipiert werden – mit und ohne Video-, Bild- oder Audiodateien. Für diejenigen, die auch offline und mit einem festen ‚Werk‘ arbeiten möchten, habe ich ein Print-on-Demand-Version erstellt.

Versionierung

Die Dissertation veröffentliche ich in drei unterschiedlichen Formaten und zwei Versionen (im Original, als kommentierbare Online-Fassung, als POD). Damit möchte ich:

•  erforschen, welche Formate wie genutzt werden
• eine aktivere Rezeption durch eine Kommentaroption ermöglichen
•  Bilder und Filmmaterial in eine Publikation einbinden, die sich mit Bildern und Film beschäftigt
• mit Publikationsformen experimentieren und das Potential digitaler Texte erproben und
auf das Prozesshafte wissenschaftlichen Arbeitens aufmerksam machen.

Wissenschaftliche Texte durchlaufen verschiedene Stadien bevor sie veröffentlicht werden und existieren in unterschiedlichen Formen. Sie sind zunächst Gedanke, Ergebnis einer Diskussion oder eines Experiments oder ein Vortragsmanuskript. Die Veröffentlichung stellt immer nur ein Zwischenergebnis eines Denkprozesses dar. Wissenschaft ist nie fertig. Um diesem unabschließbaren Prozess Rechnung zu tragen, veröffentliche ich auch das Original meiner Dissertation, die Fassung, die ich an der Universität eingereicht habe und die dem Stand meiner Reflexionen über Film, Erfahrung und Feminismus als Doktorandin darstellt. Inzwischen, nach zwei Jahren und mit reichlich Abstand, ist der Text ein anderer. Beide Versionen (Original und „Buch“) sind über diese Website zugänglich. Außerdem ist der Text direkt kommentierbar, um einen direkten Austausch zu ermöglichen.

„Does Science Advance One Funeral at a Time?“

Hält die Wissenschaftselite die Forschung auf? ForscherInnen des National Bureau of Economic Research (NBER) haben sich jüngst mit dieser Frage auseinandergesetzt und ein Paper dazu veröffentlicht: „Does Science Advance One Funeral at a Time?“ (das Paper kostet Nicht-JournalistInnen $5, ist aber auch so im Netz zu finden). Aus dem Paper geht hervor, dass nach dem Tod prominenter WissenschafterInnen ein Schwall neuer Forschungspositionen die jeweilige Disziplin auffrischt. Zu Lebzeiten angesehener WissenschaftlerInnen halten sich ForscherInnen mit gegensätzlichen Meinungen eher zurück oder finden nur schwer Zugang zur Community.

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